Tipps von Tom Kroboth

01.07.2010 – Uncategorized

Ganz natürlich, Lockenwickler oder mit dem Eisen. Mittlerweile gibt es so viele Techniken, um Haare in Form zu bringen, dass ich manchmal selber überlegen muss, welche die beste ist, um genau den erwünschten Look zu erhalten.

Der Friseursalon, in dem ich meine Friseurausbildung gestartet habe, war eindrucksvoll, riesig, in dem Haus, in dem auch Mozart gelebt hat, mitten im Herzen von Wien. Die meisten Kunden wurden „eingelegt“, hatten Dauerwelle und wurden auftoupiert und hochgesteckt. Nach drei oder vier Tagen kamen sie gern wieder und wurden noch mal durchgebürstet, toupiert und hochgesteckt… jede Woche… jeden Monat… und immer hatten sie exakt die gleiche Frisur. Unglaublich, oder? Ich denke, jeder Friseur kann sich vorstellen, wie ich das damals empfunden habe: langweilig, altmodisch und auch ein bisschen ekelhaft. Die Haare bis zu zehn Tage (manchmal auch länger) nicht zu waschen oder wenigstens durchzubürsten…

Ich wollte damals von der ganzen Sache auch nichts wissen, denn Maschinenhaarschnitte waren im Trend. Asymmetrien, Dauerwellen und Haubensträhnen – und so hab ich mich hauptsächlich um die jüngeren Stylisten gekümmert, um so schnell wie möglich crazy Haarschnitte schneiden zu lernen. Die 80iger leben hoch, eigentlich war alles erlaubt außer zu technisch, harmonisch und typgerecht zu sein. Horror! Gott sei Dank musste ich aber auch oft den älteren Stylisten assistieren und so habe ich doch vieles aus der alten klassischen Schule mitgenommen, was mir heute vor allem im Editorial oder Showbereich behilflich ist. Ich weiß noch, wie meine Lehrlinge später bei Aveda geflucht haben, wenn es darum ging, die Wasserwelle zu üben oder eine Einlegefrisur zu gestalten. Klar, wenn man jung ist, kann man das oder will man das auch nicht verstehen, aber gerade das Beherrschen der klassischen Techniken ist das, was mich heute von anderen freiberuflichen Stylisten unterscheidet.

Einmal hatte ich die Ehre, das Haar von Dita von Teese zu machen, ein Shooting für die Instyle. Die Queen der 40iger Jahre auf meinem Stuhl, Mann war ich aufgeregt. Ich hab mit ihr besprochen, was wir machen, wollte gerade beginnen, ihr Haar über den Lockenstab zu drehen, als sie meinte: „Just that you know, I am a hair- fetishist…“ Als hätte ich das nicht schon gewusst, brannten diese Worte sich in mein Herz und ich wurde noch nervöser. Klar bin ich gut, ich liebe diese Art von Haaren, schon oft gemacht, aber kann ich auch so einen Star glücklich machen? Egal, ran jetzt, du weißt doch, was du machst. Und nach den ersten drei oder vier Passées sagte sie
„I can see that you know what you are doing!“
Vielen Dank an alle Friseurinnen, die mich damals teilhaben lassen, informiert haben darüber, was und warum sie es machen und Geduld mit mir hatten, wenn ich es selbst ausprobieren wollte.

Heute tüftle ich selbst an diesen klassischen Techniken, wie kann ich es moderner gestalten, welches Produkt eignet sich am besten, um schnellst möglich zu einem guten Ergebnis zu gelangen. Gerade im Editorial- oder Fashionshow-Bereich ist es wichtig, genau zu wissen, wie man ganz schnell zum gewünschten Ergebnis kommt. Wenn man zum Beispiel bei der New York Fashion Week mitarbeitet, lernt man, was schnelles Arbeiten bedeutet. Zuerst ist man circa drei Stunden vor Beginn der Show da, packt aus und wundert sich, dass immer noch kein Model da ist. Dann trudeln die ersten ein. Auch der Chef de Cabin, so nennt man die Stylisten, die verantwortlich für den Look sind, sie kreieren und mit dem Designer besprechen. Dann legen wir alle los. Jetzt haben wir nur noch zwei Stunden, es wird ein bisschen hektisch und dann erfahren wir, dass drei unserer Models erst 15 Minuten vor Beginn kommen, da sie noch auf einer anderen Show laufen, die verspätet begonnen hat.

Als sie endlich kommen, stürzen sich zwei Haarstylisten und zwei Make-up Artisten auf jedes Model und beginnen gleichzeitig Haare und Make-up zu machen. Jetzt ist genau der Moment, wo jeder ganz genau wissen muss, was er wie macht, keine Chance auszuprobieren, wie die Welle am besten fällt, jeder Handgriff muss sitzen, jedes Produkt genau ausgewählt werden. Nach 15 Minuten heißt es „GO“ und unser Werk läuft den Laufsteg entlang und keiner aus dem Publikum merkt, welche Hektik bis vor Kurzem im Backstagebereich noch herrschte. Ohne das nötige Know-how wäre das nicht möglich. Auch bei dem Shooting der „Alice im Wunderland“ Story waren wir zeitlich limitiert. Wir hatten zwar als einziges Fototeam die Erlaubnis, in den Original-Kulissen des Tim Burton Films für die Gala ein Shooting zu machen, aber auch eine klare Ansage, dass wir nur sechs Stunden bleiben dürfen. Und wir wollten für jedes Foto andere Haare haben! So musste ich mir überlegen, wie ich am schnellsten die Haare für jedes Foto verändern kann, habe Perücken vorbereitet und mit Hasenstalldraht Formen gebaut, um die ich am Shoot Haare gewickelt hab. Einfach, schnell und trotzdem mit einem Wow-Ergebnis haben wir es pünktlich auf die Minute geschafft und ich finde die Story kann sich echt sehen lassen.

Ohne mein technisches Know-how und die Gabe, Altbewährtes neu umzusetzen, hätte ich das nie geschafft. Deshalb an Euch Jungfriseure, lernt klassische Techniken, man weiß nie, wann man sie braucht. Auch wenn es Euch komisch vorkommt, letztendlich kann man einen schiefen Turm nur bauen, ohne dass er umfällt, wenn man genau weiß, welche Technik oder Statik man dazu braucht. Beim Haare Stylen gilt das genauso. Klar kann man mit Fingerspitzengefühl coole moderne Looks kreieren, aber die Qualität eines Friseurs erkennt man an seiner klassischen Haararbeit!

Tom Kroboth


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