Strom der Zeit – Ampera
08.05.2009 – Uncategorized
In Zeiten schwindender Rohstoffe und wachsender Umweltauflagen arbeiten Autohersteller mit Hochdruck an neuen Antriebskonzepten. Während viele davon noch in der Erprobung stecken, präsentiert ausgerechnet das Sorgenkind Opel ein fertiges Elektroauto. Und was für eines!
Als der französische Physiker und Mathematiker André Ampère im Juni des Jahres 1836 im Sterben lag, konnte er nicht ahnen, welche Ehrung ihm posthum zuteil werden würde. Er, der Grundlagenforschung für die spätere Elektrodynamik betrieben hatte, wurde Namensgeber für jene Maßeinheit, in der heute weltweit die Stromstärke gemessen wird: Das Ampere. Noch mehr erstaunt hätte es den findigen Franzosen aber sicherlich, eine Abwandlung seines Namens am Heck einer gar merkwürdigen Fahrmaschine vorzufinden…
Wir schreiben das Jahr 2009. Eine Neuvorstellung, die auf dem Genfer Autosalon für gute Stimmung sorgt, stammt ausgerechnet von Opel. Quasi ein Stammhalter auf Abruf, denn wie es mit der GM-Tochter weiter geht, weiß nicht einmal ihr Besitzer. Umso wichtiger, dass es ihn gibt, den „Ampera“! Verkörpert er doch Zukunft und Innovation durch technologischen Fortschritt. Ab 2011 soll der viertürige Futurist unters Volk, vorausgesetzt, Opel gibt es dann noch.
Nun könnten Sie nach der Einleitung auf den Gedanken kommen, es handle sich bei dem kompakten Rüsselsheimer mit den frechen Bumerang-Augen um ein rein elektrisches Auto. Und genau so ist es. Allerdings nur für eine Reichweite von rund 60 Kilometer. Danach nämlich ereilt den Bioburschen das Schicksal einer leeren Batterie. Doch schlapp machen gilt nicht: Die Technik schaltet auf Benzin* und treibt den Ampera weiter voran. Aha, ein Hybrid also, mögen Sie denken. Doch das trifft die Sache nicht genau. Ein Hybridfahrzeug, wie zum Beispiel der „Toyota Prius“, besitzt nämlich neben einem Benzin- auch einen Elektromotor. Der Ampera hingegen kommt ausschließlich mit einem E-Motor aus. Des Rätsels Lösung ist ein benzingetriebener 72 PS Generator, der über den Umweg der Batterie das Elektroaggregat mit Strom versorgt, sobald die Batteriespannung eine gewisse Grenze unterschreitet. Das hat den positiven Effekt, dass der Wagen ohne Getriebe auskommt und zudem schon bei niedrigen Drehzahlen ein gleichbleibend hohes Drehmoment von 370 Nm abliefert. Ist Saft im Akku, und das sollte dank automatischer Ladung immer der Fall sein, stehen 150 PS zur Verfügung und sorgen für einen Sprint von 0 auf 100 in knapp 9 Sekunden und eine Spitze von über 160 km/h. Bei der Energiegewinnung hilft, wie auch bei gewöhnlichen Hybriden, die Bremse: Bei jeder Verzögerung speist sie die Bremsenergie in das System zurück und entlastet so den Benzingenerator. Gerade im städtischen „Stop-And-Go Verkehr“ bringt das nicht nur Kraftstoffersparnis, sondern sorgt im Idealfall für Fortbewegung ohne Emission.
Auf längeren Strecken jedoch, zum Beispiel auf Autobahnen, vollbringt der Ampera, wie auch seine verwandten Hybriden, kein Sparwunder. Denn nach spätestens 60 km ist die Batterie soweit entleert, dass der E-Motor auf die Hilfe des Benzingenerators* angewiesen ist. Dieser muss nun die 180 kg schweren Batterien wenigstens in einen mittleren Ladezustand bringen, damit die 150 PS auch weiterhin anliegen. Ein weiterer Knackpunkt: Laut Opel hält der Akku nur bis zu 160.000 Kilometer. Spätestens dann muss er getauscht werden. Dennoch: Die Möglichkeit, eine Strecke von 60 Kilometern ausschließlich mit Strom zurücklegen zu können, besticht und ist ein Lösungsansatz für smog- und lärmgeplagte Städte. Vor allem dann, wenn Sie über eine Garage nebst Stromanschluss verfügen. Dann füttern Sie Ihr Amperchen ganz einfach mit billigem Nachtstrom. Und schon nach wenigen Stunden ist Ihr gutes Gewissen wieder geladen, und Sie können lautlos in den neuen Tag starten. Wie André Ampère das wohl gefallen hätte?
Das dfm Fazit:
Der 4,40 Meter lange Ampera, der auf Basis des nächsten „Astra“ entsteht, erweist sich als erwachsener Elektrowagen mit hoher Alltagstauglichkeit und gutem Komfort. Zwar leidet seine Agilität unter dem konzeptbedingten Mehrgewicht von rund 250 Kilo, da die Batterie aber in der Mitte des Wagens verbaut ist, bleibt sein Fahrverhalten gutmütig. Mit vier Personen ist man bequem unterwegs, und auch der Gepäckraum, der sich hinter einer großen Heckklappe verbirgt, gibt keinen Anlass zur Kritik. Da neben seinem Konzept auch sein freches Design gefällt, ist dem Ampera der Serienstart zu wünschen. Allein der Preis dürfte den kleinen Umweltschützer zum Spielzeug der Besserverdienenden machen: Wer sein grünes Image polieren will, ist mit mindestens 35.000 Euro dabei…
Diskutieren Sie über diesen Artikel (Noch kein Kommentar)
Kommentar schreibenFür diesen Artikel gibt es noch keinen Kommentar.




