Strom aus Bayern
01.03.2010 – Uncategorized
Showcars mit alternativen Antriebsquellen sind die Renner auf internationalen Automobilausstellungen. Auch der Audi e-tron, der gerade auf der Detroit Autoshow sein Debüt feierte, will in der Liga der spritzigen Saubermänner mitspielen und Ökopunkte für den Ingolstädter Hersteller sammeln. Kann er es?
Auf der Suche nach „grünen Antrieben“ forschen die Autobauer in alle Richtungen. Umweltfreundliche hybride Antriebe, also der Verbund mindestens zweier unterschiedlicher Kraftquellen, genießen dabei große Aufmerksamkeit, gefolgt von der Verbesserung der Effizienz herkömmlicher Verbrennungsmotoren. Verstärkt versuchen sich die Ingenieure aber auch an der Renaissance einer Antriebsform, die schon vor über einem Jahrhundert Menschen und Waren mobil
machte – dem Elektromotor. Damals bevölkerten tausende Fahrzeuge mit reinem Elektroantrieb die Straßenzüge amerikanischer Großstädte wie New York. Über 20 Hersteller hatten Personen- und Lieferwagen im Angebot! Auch in Europa schlief man nicht. Vom jungen Ferdinand Porsche stammte beispielsweise ein verfeinertes Antriebskonzept, welches zwei elektrisch betriebene Radnabenmotoren an den Vorderrädern vorsah. Durch diese Bauweise konnte auf ein schweres Getriebe verzichtet werden. Und das im Jahre 1900! Dennoch reichten solcherlei Innovationen nicht, um Elektroautos zu etablieren. Nach dem 1. Weltkrieg gewann der Verbrennungsmotor an Bedeutung. Seine Leistungsausbeute war höher, seine Herstellung sowie der Kraftstoff Benzin billiger. Lediglich in schrulligen englischen Milchlastern sowie in winzigen Ökomobilen grüner Vorkämpfer fuhr der E-Antrieb bedeutungslos in die Neuzeit.
Wie sich die Zeiten ändern
„Vorsprung durch Technik“ – Audis Werbeslogan ist aktueller denn je. Denn auch in Ingolstadt glaubt man, dass Benzin allein nicht glücklich macht. e-tron heißt das Ergebnis der Forschung rund um Elektroantriebe und debütierte im vergangenen Jahr auf der IAA Frankfurt. Doch das reichte den Bayern nicht. Auf der Detroit Auto Show legten die Herren der vier Ringe jetzt nach und zeigten eine überarbeitete Variante des vermeintlichen Ökoflitzers. 3,93 Meter lang, 1,78 Meter breit und nur 1,22 Meter hoch präsentiert sich der e-tron als kraftmeiernder Sportler, der es mit jedem Kollegen der Straße aufzunehmen weiß. Auf den ersten Blick käme man wahrlich nicht darauf, dass der frech gezeichnete Wirbelwind rein elektrisch betrieben sein könnte. Und doch stecken zwei Elektromotoren mit zusammen 204 PS unter dem straff sitzenden Alu-Kleidchen. Mit den 1.350 Kilogramm des Showcars haben Sie auch dank ihres hohen Drehmoments ein leichtes Spiel. Der Sprint von 0 auf 100 km/h soll in unter 6 Sekunden gelingen. Die Power kommt dabei nicht von ungefähr, sondern von unzähligen Lithium-Ionen-Akkus, die hinter der Fahrgastzelle und vor der Hinterachse schwerpunkt-optimal montiert sind. Bis zu 250 Kilometer gibt Audi als Reichweite an. Damit nicht genug ertüftelten die Oberbayern auch eine Technik, die die Leistung der beiden Motoren wohl dosiert an das jeweilige Rad abgibt. Tolle Traktion und wahres Gokart-Feeling sollen daraus resultieren. Beim Zusammenklang der Komponenten überlässt Audi ebenfalls nichts dem Zufall. Antrieb, Leistungselektronik und Batterien steuert ein innovatives „Thermomanagement“ – eine entscheidende Komponente zugunsten hoher Reichweite bei gleichzeitig hervorragendem Innenraumkomfort. Und der wird übrigens durch Einsatz einer Wärme-
pumpe maßgeblich beeinflusst: Und zwar zum
effizienten Auf- und Beheizen des Fahrgastzelle.
Dass Audi schöne Autos bauen kann, ist bekannt. Beim Design spricht das elektrische Sportcoupé folglich die Konzernsprache, die nicht wenigen gut gefällt. Dass das Showcar so perfekt verarbeitet wirkt, als entstamme es einer Fließbandproduktion, ist ebenfalls erwähnenswert. Eine essentielle Frage aber bleibt unbeantwortet: Wie sieht sie eigentlich aus, die nachhaltige Ökobilanz des vermeintlich so grünen Flitzers? Kann sie es mit der eines sparsamen Benziners aufnehmen? Dazu schweigt nicht nur Audi, sondern die ganze Branche. Und dies aus gutem Grund. Denn noch ist längst nicht geklärt, woher Millionen von Lithium-Ionen-Akkus kommen sollen, setzte man ernsthaft auf Stromantrieb. Lithium will aufwändig gewonnen werden. Und: Es ist, wie Erdöl, nicht unendlich vorhanden. Dazu kommen die aufwändige, millionenfache Herstellung sowie das verantwortungsvolle Recycling der kleinen Energiespeicher nach ihrem Ermatten. Doch selbst wenn diese Fragen geklärt wären, bliebe das Hauptproblem: Der immens wachsende Strombedarf, der aus einem Umstieg auf Elektroantriebe resultieren würde. Ihm könnten die Stromanbieter nur durch massive Neubauten hocheffizienter, aber möglichst Co2 neutraler Kraftwerke begegnen. Die Rede ist – notgedrungen – vom Atomstrom.
dfm Fazit:
Der e-tron will einen grünen Weg gehen – das ist vorbildlich. Aber könnte er es auch in der Massenproduktion? Nur, wenn auch der Energiemix, den die Stromversorger bereitstellen, grüner würde, dürfen Elektroantriebe auf einen grünen Umweltstempel hoffen. Solange bleiben Showcars wie der e-tron, der den Strom notgedrungen aus der Steckdose bezieht, ein schönes Bekenntnis zum Umweltschutz. Mehr nicht.
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Respekt! Für die dfm ein klasse Artikel, der nicht nur alles schönfärbt. Überhaupt sind die Autobeiträge bei Euch echt net schlecht, weil ihr mal Kritik übt. Les ich immer wieder gern.
Greez Sasch
Sasch
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am 13.06.2010
um 12:06 Uhr