Gut gebrüllt
01.05.2010 – Uncategorized
Die Franzosen kommen! Genauer gesagt: Ein sportlicher Franzose. Der RCZ folgt keinem Modell nach, der RCZ ist vielmehr rundum neu und zudem sehr scharf gewürzt. So scharf, dass sich die Deutsche Konkurrenz schon mal im Gewürzregal umschauen sollte…
Was wurden sie nicht in den letzten Jahren von deutschen Autojournalisten gescholten – die Produkte von Peugeot. Mal kreidete man ihnen eine zu aggressive Designsprache an, dann wiederum blies man zum Halali gegen ein angeblich emotionsloses Styling. Ungeachtet aller Kritik blieben die Fans ihrer Marke jedoch treu: Gern gewöhnten sie sich an das modellübergreifende Peugeot-Design, welches auf ein aufgerissenes „Löwenmaul“ an den Fahrzeugfronten und weit in die Kotflügel hinein gezogene Scheinwerfer sowie auffallend ausgestellte Radhäuser setzt.
In die Manege!
Doch so dynamisch das Design auch wirkt – Verwendung fand es nie bei richtigen Sportwagen. Was dem Umstand geschuldet war, dass Peugeot dieses Segment bislang nicht vorsah. Doch mit dieser Beschränkung ist es jetzt vorbei: Manege frei für das neue Sportcoupé von Dompteur Peugeot, den löwenstarken RCZ! Ab Mai steht er beim Händler – angekettet natürlich. Sonst nämlich könnte die französische Wildkatze mit einem Satz in die freie Wildbahn ausbrechen. Einmal losgelassen treibt der Reihen-Ottomotor dank Turboaufladung den Savannenkönig in nur 7,5 Sekunden auf 100 km/h. Zwischen 5.500 und 6.800 Umdrehungen/Min. liefert das nur 1.6 Liter große Aggregat gleichbleibende 200 PS ab – ein guter Wert, der durch das bereits ab 1.700 Umdrehungen anliegende Drehmoment von 255 Newtonmetern (275 Nm mit Overboost) untermalt wird. Regelmäßig angefordert dürfte sich der Normverbrauch von 6,9 Litern Super auf 100 Kilometer dann aber in den Bereich des Wunschdenkens verabschieden. Aber mal ehrlich: Welch hungriger Löwe begnügt sich schon mit einer mageren Gazelle?
Haken schlagen
Kein Wunschdenken ist das Gewicht des Boliden. Mit rund 1,3 Tonnen ist er verdächtig auf Augenhöhe mit dem agilen Audi TT. Der TT ist es auch, der den Deutschen Designer Boris Reinmöller bei seinen Entwürfen für das Peugeot-Designteam inspiriert haben dürfte. Doch wo der TT sich eher in deutscher Nüchternheit übt, gestattet sich der RCZ eine extrem emotionale Botschaft. Die lautet: Platz da, jetzt komme ich! Das Raubkatzenhafte demonstriert der RCZ nicht nur im Abzug, sondern auch in seiner Wendigkeit. Obwohl er mit 4,29 Metern immerhin 11 Zentimeter länger geriet als der biedere TT, schlägt er bei Bedarf ähnlich eindrückliche Haken, um seine Beute zu erlegen. Das können Haarnadelkurven sein, oder gewundene Landstraßen – dem frivolen Franzosen ist’s egal. Hauptsache très vite! Und so dürften viele Autofahrer vor allem das aufregende Heck des auf Wunsch mit 19 Zöllern bereiften Beaus zu sehen bekommen. Und das hat es – im wahrsten Sinne – „in sich“: 321 Liter Kofferraumvolumen (mit umgeklappten Rücksitzen gar über 639 Liter) sind mustergültig und erlauben auch Fahrten mit ordentlich Gepäck. Platz fanden die Innenraum-
designer sogar für 2 Rücksitze. Nur sollten sich die auf dem knappen Gestühl platzierten Löwenbabies jedes Wachstum verkneifen. Andernfalls nämlich könnte die Erkenntnis reifen, dass der entfernte Verwandte, die viertürige Peugeot 308 Limousine, wohl doch die bessere Wahl gewesen wäre. Trotzdem: Gute Vorraussetzungen für eine mehrtägige Safari, die sich auch mal komfortabel gestalten darf. Denn obwohl der RCZ vor allem sporteln will, fanden die Entwickler bei seiner Gesamtauslegung zu einem wohltuenden Kompromiss zwischen rassiger Rennsemmel und alltagstauglichem Kameraden. Der nicht perfekte Seitenhalt der Sitze tut der Sache dabei keinen allzu großen Abbruch.
Das DFM Fazit
Es passiert nicht oft, dass wir Ihnen ein Fahrzeug wärmstens empfehlen können. Dieses hier gehört zweifelsohne dazu. Ab 28.950 Euro (26.450 Euro für 156 PS-Variante) können Sie den neuesten Löwen bei Ihrem Peugeot-Händler aus dem Zwinger befreien und einer artgerechten Haltung zuführen. Zu diesem Preis bekommen Sie anderswo öde Autos von der Stange – hier hingegen einen Kopfverdreher, der bereits in der Grundausstattung mit allem glänzt, was man sich als ambitionierter Sportwagenfahrer wünschen kann. Wir meinen: Löwenstark mit toller Würze!
Autor: Ulrich J. Lehmann
Fotos: Peugeot SA
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