Behind the looks
12.01.2010 – Uncategorized
Normalerweise gibt es an dieser Stelle immer die Kolumne von Tom Kroboth zu lesen, doch diesmal ist das ein bisschen anders. Wir hatten die Idee, Tom in unsere Redaktion einzuladen, damit er uns einmal bei der Arbeit über die Schulter schauen kann. Wir erzählten Tom am Telefon von unserem Einfall, der sofort begeistert war – und den Gedanken noch weiter spann.
Klasse Idee, aber da können wir doch gleich noch mehr draus machen“, freute sich Tom. „Wir shooten gerade die neue Essential Looks Kollektion für 2010, da könnt ihr uns besuchen und wir machen das Ganze zum Thema in der nächsten Ausgabe.“ Gesagt, getan – unser stellvertretender Chefredakteur setzte sich ins Flugzeug und machte sich auf den Weg nach Hamburg, um die Entstehung der neuesten Essential Looks zu beobachten. Besser gesagt – um einen Tag des Shootings mitzuerleben, insgesamt dauert die Fotoproduktion für die Essential Looks sage und schreibe 14 Tage. „Ich finde es super, wenn die Friseure einmal einen Blick hinter die Kulissen eines solchen Shootings werfen können“, so Tom, „die meisten wissen ja gar nicht, wie viel Arbeit und Vorbereitung in einer neuen Kollektion stecken. Normalerweise sieht man ja nur die fertigen Fotos, auf denen alles immer ganz natürlich und spielerisch aussieht, aber letztendlich ist es für alle Beteiligten harte Arbeit.“
Als ich in den Mount Ray Studios in Hamburg ankomme, in denen schon Unternehmen wie RTL, Daniel Hechter oder McDonald’s und Magazine wie TUSH und Gala geshootet haben, bin ich überrascht, wie viele Menschen am Set sind. Bettina Galindo von der Schwarzkopf Presseabteilung stellt mir alle vor. Den in New York ansässigen Fotografen Tony Kim, Clothes Stylist Ingo Nahrwold, Colourist Lesley Lawson und jede Menge Make-up Artisten, Assistenten, Grafiker, Studioangestellte, Models und natürlich Tom und Schwarzkopf Professional Creative Director Steve Hogan – insgesamt mehr als 20 Personen.
Überall stehen MacBooks und andere Laptops. Zu jedem Trend existiert ein sogenanntes Mood-Board mit Bildern aus verschiedenen Modemagazinen, die die Zielvorgabe veranschaulichen. Am Set, eigentlich nur aus einem großen Polster bestehend, sind fünf Lichter mit farbigen Folien und Netzfiltern aufgebaut. Im Hintergrund läuft Musik von Nouvelle Vague – New Wave- und Punk-Klassiker im Bossa Nova Stil interpretiert, die perfekte Begleitung zum Trend „Boudoir“, der heute geshootet wird. „Diesmal haben wir fünf Trends kreiert“, verrät Tom, „und jeder hat seine ganz eigene Stimmung.“ Boudoir greift den Stil des 60er-Jahre-Fotografen David Hamilton auf – in der Mitte sind die Bilder scharf, am Rand leicht verwischt. „Das erreicht man mit diesen Netzfiltern“, klärt mich Tom auf. Im Gegensatz zu den Essential Looks 2009 gibt es keine aufwändigen Hintergründe, diesmal steht das reine Motiv im Vordergrund.
Eine Produktion wie diese erfordert einen sehr strikten Zeitplan, es ist genau festgelegt, was wann geschafft werden muss – an den ersten Tagen standen Step by Steps auf dem Programm, jetzt werden die Kollektionsbilder geschossen. Trotz des Zeitdrucks läuft alles sehr ruhig ab, jeder arbeitet konzentriert und ohne Hektik. Fotograf Tony sitzt auf einer kleinen Holzkiste und gibt dem Model Anweisungen: „Look here!“, sagt er, hält seine Hand etwas von sich gestreckt und drückt den Auslöser der Kamera. Er schießt nicht, wie andere Fotografen, Unmengen von Fotos, sondern wartet auf den richtigen Augenblick. Zwischendurch springt Tom immer wieder dazwischen, um die Haare zurechtzuzupfen oder eine Locke zu fixieren.
Währenddessen habe ich Zeit, mich ein bisschen mit den Personen zu unterhalten, die an der Entstehung der Essential Looks beteiligt sind. Neben Tom sind Lesley, Ingo und natürlich Steve Hogan von Anfang an dabei. Da die Essential Looks eine Fashion Kollektion sind, kommt die Inspiration von den Trends, die die Designer bei den großen Modenschauen präsentieren. Also besucht das Team einige der Shows in New York, London, Mailand und natürlich Paris, viele verfolgt man aber auch im Internet, „sonst wären wir ja nur noch auf Modenschauen“, lacht Tom. „Die Shows in New York sind in erster Linie eine Imagesache, in London wird der typische Streetstyle gezeigt, Mailand präsentiert diesen ganz speziellen, italienischen Stil, aber letztendlich dreht sich alles um Paris“, so Steve Hogan. Und Ingo Nahrwold ergänzt: „Es gibt ein paar Designer, da kann man sicher sein, dass ihre Trends auch von Labels wie H&M aufgegriffen werden – Marc Jacobs, Prada und Louis Vuitton gehören dazu.“
„Nach den Schauen habe ich dann erst einmal einen Nervenzusammenbruch und frage mich, wie wir das Ganze innerhalb von zwei Wochen in Frisurentrends umsetzen können“, erzählt Steve Hogan schmunzelnd. „Es ist mittlerweile meine sechzehnte Essential Looks Kollektion, aber es wird nicht einfacher – schließlich will man immer noch besser werden!“ Außerdem müssen viele Dinge bedacht werden: „Die Kollektion soll schon heute die Antworten auf die Fragen von morgen geben, sie muss in den Salons umsetzbar sein und sie sollte natürlich die kommenden Produktlancierungen unterstützen“, so Steve. „Im Vordergrund stehen aber die Bedürfnisse der Friseure – ich habe selbst lange genug im Salon gearbeitet, um zu wissen, was wichtig ist. Die Essential Looks sind eine Kollektion, die die Trends vom Laufsteg direkt in den Friseursalon bringt“, lautet Steves Resümee.
Ein interessanter Tag geht zu Ende, ich bin schon sehr gespannt auf die fertigen Kollektionsbilder und freue mich auf Toms Gegenbesuch. Er wünscht sich Leberkäse, wenn er zu uns kommt: „Hier im Norden schmeckt der nicht!“ Die Freude werden wir ihm machen…
Der Leberkäse bei unserem ortsansässigen Wellness-Metzger (der heißt wirklich so, Anm. d. Red.) schmeckt vorzüglich. Aber Tom ist ja nicht nur zum Essen hier – er erzählt uns von Trendfindung, er berichtet, wie wichtig es auch für ein Magazin ist, sich immer wieder neu zu erfinden und dass man nur erfolgreich ist, wenn man es wagt, ständig Grenzen aufzubrechen. „Denn das Langweiligste überhaupt ist Mittelmaß“, so Tom. Danach macht sich Tom noch die Mühe, gemeinsam mit unseren Grafikern die perfekten Bilder für diese Reportage auszusuchen und hat auch für den Text noch ein paar kleine Anmerkungen, die die Dinge noch besser auf den Punkt bringen. Toms Fazit: „Im Grunde genommen macht ihr nichts anderes als wir auch. Man beginnt mit einer Idee, verwirft Dinge und entwickelt sie weiter, bis alles perfekt ist.“
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Bin schon sehr gespannt auf die neuen Essential Looks, der Artikel macht Lust auf mehr!!! Liebe Grüße an die dfm Redaktion!
Der Kommentator
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am 22.01.2010
um 14:51 Uhr