Arround the World
31.08.2010 – Uncategorized
Ich war gerade 16 Jahre alt, als meine Eltern mit mir, gestriegelt und in meinen neuen schwarzen Cordjeans (welche ich eigenhändig enger genäht hatte) aus unserem 6.000 Einwohnerdorf, nach Wien zu meinem ersten Vorstellungsgespräch fuhren. Vor der Tür angekommen, fiel mir als erstes ein Schild neben der Tür auf: „Hier lebte Wolfgang Amadeus Mozart!“
„Wow“, dachte ich. Wie sich später herausstellte, waren früher in dem heutigen Herrensalon die Pferde untergebracht, aber wir mussten über die circa zwei Meter breite Barocktreppe hoch in den ersten Stock, wo mich das nächste „Wow“ traf. Am Ende der Treppe hing ein gewaltiger, im Durchmesser etwa zwei Meter großer Kristallluster (gefühlter Durchmesser für mich ungefähr vier Meter…) von der Stuckdecke. Schon damals wurde mein Interesse für Saloninneneinrichtungen geweckt und immer wenn ich unterwegs bin, liebe ich es, mir verschiedene anzuschauen. Einrichtungen sehen ja nicht nur gut aus (oder auch nicht), sondern sagen auch immer viel über die Philosophie eines Salons aus. Gibt es eine gemütliche Warteecke, sind die Waschbecken abgesondert damit man sich entspannen kann, gibt es zwischen den Sitzplätzen genug Platz für Intimsphäre und so weiter. Interessant ist, wie verschiedene Kulturen mit diesem Thema umgehen. Ted Gibson in New York zum Beispiel hat einen großen Salon, der ganz schlicht und elegant eingerichtet ist und nur wenige Stylingstationen hat, um die Exklusivität eindeutig zu machen. Bumble und Bumble haben einen Store im Meatpacking District, genaugenommen eigentlich ein ganzes Haus, in dem unter anderem auch deren Akademie untergebracht ist. Um an die Rezeption zu gelangen, muss man mit dem Lift in den sechsten Stock fahren, betritt einen riesigen Raum und muss diesen durchschreiten, da die Rezeptionisten am anderen Ende sitzen. Soll sagen: Wir sind was Besonderes… Willkommen! In Japan wird wahnsinnig viel Wert auf Entspannung und Wohlfühlen gelegt, Ruheräume, entspannende Shampoonierinseln mit Waschbecken an denen man liegt und bei der Wäsche auch gleich eine Massage bekommt und viele Trennwände, um Ruhe zu gewähren. In Shanghai setzen die modernen Salons auf Besonderheiten und Quantität. Hightech trifft Barock – zum Beispiel mit circa 60 Stylingstationen und noch mehr Personal, leider ist der Servicegedanke noch nicht so richtig ausgeprägt.
Im Moment befindet sich mein Favorit in Krakow, ich weiß, kaum zu glauben, ja in Polen. Der Flagshipsalon befindet sich im trendigen jüdischen Viertel und gilt als Statussymbol. Wie in einem supergemütlichem Wohnzimmer besticht die Einrichtung, vermittelt Wohlbehagen und lädt ein, seinen Blick umher schweifen zu lassen und zwischen edlen Designobjekten und cooler Kunst seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Hier geht es weniger um Funktionalität (was meine Ansprüche angeht) als um das Schaffen eines besonderen Raumes, was hier eindeutig gelungen ist.
Ich würde mir wünschen, mehr Salons dieser Sorte zu erleben – Einzigartigkeit und Exklusivität trifft auf Gemütlichkeit. Gratulation!
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